Was hat der Eiffelturm mit einem herkömmlichen Hufeisen gemeinsam? Ganz klar: ihre Optik trennen Welten! Doch ihr Material verbindet die beiden! Der historische Werkstoff „Schmiedeeisen“ wurde über viele Jahrhunderte aus schmiedbaren Eisenwerkstoffen mit sehr geringem (häufig unter 0,1 %) Kohlenstoffanteil hergestellt. Heutzutage hat Stahl (charakterisiert durch einen Kohlenstoffanteil von bis zu 2%) dank moderner Herstellungsmethoden das Schmiedeeisen nahezu verdrängt. Doch es gibt ein Bauwerk, das die Bedeutung jenes Werkstoffs, der als „Vorgänger modernen Stahls“ gilt, auch heute noch eindrucksvoll zur Schau stellt: der Pariser Eiffelturm.
Für damals einzigartig: Eine Eisenkonstruktion aus 18.038 Einzelelementen
Als Gustave Eiffel seine Turmkonstruktion für die Weltausstellung 1889 fertigstellte, war ursprünglich geplant, die gefinkelte Konstruktion nach 20 Jahren wieder abzureißen. Denn was auf den ersten Blick wie ein Werk aus einem einzigen gegossenen Stück erscheint, besteht in seiner kolossalen Struktur aus über 18.038 Eisenelementen, darunter Winkelprofile, Flacheisen, sowie T- und Sonderprofile mit einer Länge von bis zu fünf Metern – und das alles mit einer Präzision auf bis zu einem Zehntel Millimeter genau angefertigt! Apropos Anfertigung: Ein Drittel der gesamten Struktur wurde in der Werkstatt vormontiert und der Rest mit über 2,5 Millionen Nieten von über 300 Handwerkern vor Ort verbunden. In einer Bauzeit von 2 Jahren, 2 Monaten und 5 Tagen wurden so 10.100 Tonnen verbaut.
Und noch ein weiteres „gewichtiges“ Detail: Über ein Jahrhundert später werden jedes Jahr rund zwei Tonnen Papier für das Drucken der Eintrittstickets benötigt!
Noch heute gigantisch: Ein Wahrzeichen von unschätzbarem Wert
Welchen Wert hat der Eiffelturm heute? Eine Frage, die sich definitiv nicht an einer einzigen Zahl festmachen lässt. Vor einigen Jahren hat die Handelskammer von Monza mit ihrem Berechnungsversuch große Wellen geschlagen: Würde Frankreich die Einzelteile ihrer „alten Eisendame“ abbauen und verkaufen, so wäre der Erlös auf 434 Milliarden Euro geschätzt! Doch das französische „Wahrzeichen der Liebe“ ist viel mehr, als seine Einzelteile:
- Jährlich werden mehr als sieben Millionen Besucher verzeichnet
- Und pro Tag rund zwei Heiratsanträge auf den Plattformen verbucht
Die Faszination Eiffelturm scheint damit ungebrochen. Mit 324 Metern zählt er noch heute als höchstes Bauwerk Frankreichs – und das selbst im Winter, wenn sich das Eisen wegen der Kälte zusammenzieht und das Bauwerk so bis zu 8 Zentimeter schrumpft. Moderne Türme dieser Größenordnung werden aus Stahl und Bolzen konstruiert, doch der Eiffelturm besteht aus Eisen und Nieten. Vormals nach 20 Jahren zum Abriss bestimmt, wurde die Konstruktion aus Schmiedeeisen – dem Vorläufer des modernen Stahls – also doch für die Ewigkeit gebaut. Und ist damit zum Sinnbild für Paris, die Stadt der Liebe geworden!